[Home]   [Feuerwehr]   [Vereinsleben]   [Kunst & Kultur]   [Vöckinghausen]   [Frielinghausen]   [Karten]   [Sitemap]  
 Links    
Hauptthemen
Feuerwehr
Vereinsleben
Kunst & Kultur
Karten
Was Sonst

Nachbarschaft
Vöckinghausen
Frielinghausen

Rechtliches
Impressum
DSGVO

Weitere Infos
Geburtsurkunde
Historisches
Last Updates
Sex
Sitemap
Termine 2018
Termine 2019
Startseite

Die "Geburtsurkunde" Norddinkers

(von Herbert Westermann, aus "750 Jahre Norddinker", herausgegeben vom Heimatverein)

"In nomine Domini, amen. Soror A.-Del gracia dicta abbatissima, M. prior totusque conventus sanctimonialium Cisterciensis ordinis in Wronndeberg ...", so beginnt  der Wortlaut  der im nordrhein-westfälischen Staatsarchiv Münster (Sign. Fröndenberg Urkd. 9) befindliche Urkunde von 1243, die Grundlage der 750-Jahr-Feier Norddinkers ist.

In der Urkunde bezeugen die durch Gottes Gnaden zur Äbtissin bestimmte Schwester A. und M(enricus), Prior des Konvents der Zisterzienserinnen in Fröndenberg, daß die ehrenwerde und fromme Witwe E(lisabeth), frühere Grundherrin in Menden, dem Kloster Fröndenberg den Zehnten in Norddinker aufgetragen hat, den sie selbst von dem Ritter Henricus Rump kaufte. Die entscheidende Stelle lautet: "decimam quandam sitam in Northinchere" (der Zehnt in Norddinker). Das Schriftstück ist beurkundet "im Jahre des Herren 1243, in dem Innozenz IV. im ersten Jahr Papst und Konrad Erzbischof von Köln ist.

Sicher ist, daß das Gebiet von Norddinker schon vor 1243 besiedelt war. Bis um 1200 war bereits der Ausbau der Siedlung durch Altbauernschicht abgeschlossen. Neuere Forschungen, die den Namen "Dinker" nicht mehr von "Ding" (Gerichtsstätte) und "har" (Anhöhe) sondern von dem prähistorischen Wasserwort "dink" herleiten, weisen auf eine Besiedlung des Raumes sogar schon in vorgermanischer Zeit hin. Die urkundliche Ersterwähnung im Jahre 1243 aber markiert Norddinkers namensrechtlichen Eintritt in die Geschichte.
 

Zeit der Kreuzzüge

Die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts ist die Zeit der Kreuzzüge und der Mongoleneinfälle in Deutschland, es entstehen der Parzival des Wolfram von Eschenbach und die Carmine burana, auf der Wartburg findet der Minnesängerkrieg statt, die Bauarbeiten am Kölner Dom und an der Alhambra in Granada werden begonnen, Franz von Assisi gründet den Franziskanerorden, und in England erläßt König Johann die Magna Charta.

In dieser Zeit leben Walter von der Vogelweise, Thomas von Aquin, Albertus Magnus, Hermann von Salza, die helige Elisabeth von Thüringen und Dschingis Khan. Überragende Gestalt der Zeit ist aber Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194 - 1250), der seinen Zeitgenossen als "Stupor mundi" (das Staunen der Welt) galt.

Mit der Thronbesteigung des in der Urkunde angeführten, um 1195 geborenen, 183. Papstes Innozenz IV. im Jahre 1243 erreicht der Machtkampf zwischen Kaiser und Papst einen Höhepunkt. In dieser Auseinandersetzung spielt der in der Urkunde ebenfalls genannte 1238 an die Regierung gekommene Erzbischof von Köln Konrad von Hochstaden die Rolle eines Totengräbers des staufischen Kaisertums. Als staufisch Gesinnter ins Amt gelangt, geht er, nachdem Kaiser Friedrich II. 1239 endgültig dem Banne verfallen war, zur päpstlichen Partei über. Er betreibt die Absetzung des Kaisers, die Wahl von Gegenkönigen in Deutschland und kommt durch seine Territorialpolitik in dauernden Konflikt mit seinen Nachbarn. Er ist tatkräftig und bedenkenlos. Er gründet die Städte Dorsten, Schmallenberg, Winterberg und Hallenberg und legt den Grundstein des Kölner Doms.
 

In Westfalen regiert das Faustrecht

In Westfalen regiert in dieser Zeit wie überall im Reich das Faustrecht. Vergeblich bemüht sich Konrad von Hochstaden, "ganz Westfalen von Räubern und Verbrechern zu reinigen".

Hier hatte nach der Ermordung des Erzbischofs Engelbert I. von Köln 1225 durch Friedrich von Isenberg dessen Vetter Graf Adolf von Altena, der sich seit 1202 Graf von der Mark nannte und 1226 die Stadt Hamm gründete, im Teilungsvertrag von 1243 einen Teil der Isenbergschen Hinterlassenschaft endgültig in seinen Besitz gebracht und damit eine Grundlage für die Machtstellung des märkischen Hauses gelegt.

Unsere Urkunde aus dieser Zeit wird von Äbtissin und Prior des Zisterzienserklosters Fröndenberg bezeugt. Der um 1100 gegründete und nach dem Kloster Cîteaux benannte Zisterzienserorden bildete früh einen weibliche Zweig aus. Die Erzählung vom Ursprung des Klosters Fröndenberg schildert, wie auf dem Berg Haslei an der Ruhr eine alte Dingstäte beschattete und an Festtagen auf die frohen Tänze und Spiele des Volkes herabschaute. Dieser Rest alten Volkstums erregte Anstoß bei einem Mönch des nahen Klosters Scheda. Er ließ sich mit einem wundertätigen Marienbild bei der Linde nieder und errichtete das Kloster Fröndenberg (um 1230). Bei den Zisterzienserinnen finden wir im 13. Jahrhundert hochadelige Damen als Äbtissinen. Sie wurden von den Nonnen auf Lebenszeit gewählt. Eine solche Äbtissin war die in der Urkunde genannte Schwester A.
 

Der Zeht als Grundstein

Dem Kloster wurde der Zehnt in Norddinker von der Witwe E(lisabeth), frühere Grundherrin in Menden, aufgetragen. Sie selbst hatte den Zehnt von dem Ritter Helmicus Rump gekauft. Ursprünglicher Sitz der Familie Rump war wahrscheinlich das Rittergut Nateln, das später in das Eigentum der Hauptlinie der vermutlich vom Clotinghof in Dinker stammenden Familie Clot überging.

In einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1258 beurkunden die Äbtissin Richardis, der Prior Hildebrand und der Konvent des Klosters Fröndenberg, daß Johann von der Mark den Zehnten in Frielinghausen und Norddinker (Nortdinchere) vom Kloster Fröndenberg gekauft hat (später kam der Zehnt von Norddinker an das Stift Beckum, von dem ihn 1347 das Kloster Welver erwarb).

Die nächsten Früherwähnungen von Norddinker erfolgen in Urkunden von 1268 (1269), nach denen Graf Engelbert von der Mark dem Stift Werden einen Hof in Norddinker (Northinchere) überträgt, sowie um 1392/93 (Nart-dinckere) und 1434 (Nartdinker).

Zwischen den Bauernkatalogen der letzten mittelalterlichen Erwähnung Norddinkers im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Nortdinckeren) und des Katasters der kontributablen Güter von 1705 klaffte bisher eine Lücke, die durch ein neu aufgefundenes Dokument aus dem Dreißigjährigen Krieg (1638) geschlossen wird ([...]). Ab Beginn des 18. Jahrhunderts mehrt sich dann die Anzahl der Urkunden zu Norddinker beträchtlich.

Copyright by 
Norddinker.de